Küken und Legehennen · Destatis und BZL

Kein Küken darf mehr getötet werden. Und dann?

Bis Ende 2021 wurden in Deutschland jedes Jahr 40 bis 45 Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlupf getötet, weil sie keine Eier legen und für die Mast kaum geeignet sind. Seit 2022 ist das verboten. Die amtlichen Zahlen zeigen, was sich seitdem geändert hat und was nicht.

Was das Gesetz sagt

§ 4c des Tierschutzgesetzes ist kurz: „Es ist verboten, Küken von Haushühnern der Art Gallus gallus zu töten.“ Ausnahmen gelten zum Beispiel, wenn tierseuchenrechtliche Vorschriften das Töten vorschreiben oder es angeordnet wird, für nicht schlupffähige Küken, für Stubenküken und für Küken, die für Tierversuche bestimmt sind.

Absatz 3 regelt die Geschlechtsbestimmung im Ei: Ab dem 13. Bebrütungstag darf ein Hühnerembryo nach einer solchen Bestimmung nicht mehr getötet werden, vor dem 13. Tag verbietet das Gesetz es nicht. Diese Regel gilt seit dem 1. Januar 2024. Zuvor war der 7. Tag als Grenze vorgesehen. Die Bundesregierung begründete die Änderung damit, dass das Schmerzempfinden von Hühnerembryonen nach neuen Forschungsergebnissen nicht vor dem 13. Bebrütungstag einsetzt.

Drei Wege statt Töten

  • Geschlechtsbestimmung im Ei: Männliche Embryonen werden erkannt und nicht weiter ausgebrütet. Laut KAT, dem Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen, zitiert vom Bundesinformationszentrum Landwirtschaft, wird inzwischen bei etwa 70 Prozent der männlichen Küken das Geschlecht im Ei bestimmt.
  • Bruderhähne: Die männlichen Küken schlüpfen, werden gemästet und dann geschlachtet.
  • Zweinutzungshühner: Rassen, bei denen die Hennen Eier legen und die Hähne für Fleisch gemästet werden.

Die Zahl der Bruderhähne sinkt. Die Brütereien meldeten für 2022 10.592.215 Hahnenküken zur Mast, für 2025 nur noch 3.068.936.

Was die Brütereistatistik zeigt

Das Statistische Bundesamt erfasst jedes Jahr, wie viele Bruteier in Deutschland eingelegt werden und wie viele Küken schlüpfen. Die Zahl der Brütereien für Legerassen ist von 22 im Jahr 2021 auf 8 im Jahr 2025 gesunken. 2022 wurden nur noch 40,5 Mio. Bruteier eingelegt, nicht einmal halb so viele wie 2020. Seitdem steigt die Zahl wieder, auf 60,5 Mio. im Jahr 2025.

Brütereien für Legerassen in Deutschland
JahrBrütereieneingelegte Bruteiergeschlüpfte KükenHahnenküken zur Mast
201528121.737.59548.006.890kein Wert
201630111.140.73944.096.993kein Wert
201727116.312.19845.739.656kein Wert
201825103.284.00942.154.673kein Wert
201924104.992.14245.298.361kein Wert
20202291.308.06940.501.3151.178.787
20212272.721.38529.438.965kein Wert
20221540.526.53816.228.62210.592.215
20231147.747.62018.309.7378.863.538
2024857.851.96820.904.9914.851.698
2025860.522.94722.751.3343.068.936

Bruteier und geschlüpfte Küken: Legerassen zum Gebrauch, also für die Eierproduktion. Brütereien: alle Brütereien mit geschlüpften Küken von Legerassen, einschließlich Zucht und Vermehrung. Hahnenküken zur Mast: zur Mast vorgesehene männliche Küken der Legerassen; nach dem Schlupf getötete Küken sind darin laut Destatis nicht enthalten. Für 2021 und die Jahre vor 2020 gibt es keinen veröffentlichten Wert für Hahnenküken.

Ein Teil der Legehennen kam schon vor dem Verbot aus dem Ausland, laut BZL nach Schätzungen etwa 10 bis 15 Prozent der Junghennen, aus Ländern wie Polen, den Niederlanden und Tschechien. Fachleute gehen davon aus, dass dieser Anteil nach dem Verbot zunächst gestiegen ist. Ein EU-weites Verbot gibt es nicht. Die Brüder dieser Hennen werden dort also womöglich weiterhin direkt nach dem Schlupf getötet.

Wie Legehennen gehalten werden

2025 lebten in Betrieben von Unternehmen mit mindestens 3.000 Hennenplätzen im Schnitt 45.215.015 Legehennen. Jede legte 304 Eier im Jahr, zusammen 13,7 Mrd. Eier. Alle Betriebe zusammen hatten bei der Zählung am 1. März 2023 rund 55,8 Millionen Legehennen, mehr dazu auf der Seite Tierbestand. Die meisten Hennen leben in Bodenhaltung. Die Kleingruppenhaltung, ein größerer Käfig mit Nest, Sitzstangen und Einstreu, läuft aus: Bestehende Anlagen durften laut § 45 Abs. 4 Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung bis Ende 2025 weiter genutzt werden, in Härtefällen kann die Behörde das bis Ende 2028 genehmigen.

Legehennen nach Haltungsform, Jahresdurchschnitt
Haltungsform20152025Veränderung
Bodenhaltung25.297.54425.893.415+2,4 %
Freilandhaltung7.045.92011.232.047+59,4 %
Ökologische Erzeugung3.760.7966.699.679+78,1 %
Kleingruppen und ausgestaltete Käfige4.060.4031.389.874−65,8 %
Zusammen40.164.66345.215.015+12,6 %

Betriebe von Unternehmen mit mindestens 3.000 Hennenplätzen.

Nach rund 16 Monaten: Suppenhuhn

Legehennen werden nach Angaben des BZL ungefähr 16 Monate alt und dann als Suppenhühner geschlachtet. 2025 waren es 20.747.574 Suppenhühner. Ein Huhn könnte im Schnitt drei bis fünf Jahre alt werden, manche sieben.

Alter von Legehennen bei der Schlachtung
rund 16 Monate
geschlachtete Suppenhühner 2025
20.747.574

Was besser wird

Lichtblicke

Kurz beantwortet

Ist das Kükentöten in Deutschland verboten?

Ja, seit dem 1. Januar 2022. § 4c des Tierschutzgesetzes verbietet es, Küken von Haushühnern zu töten. Seit 2024 ist es außerdem verboten, Hühnerembryonen ab dem 13. Bebrütungstag nach einer Geschlechtsbestimmung im Ei zu töten. Ausnahmen gibt es etwa bei Tierseuchen oder für Tierversuche.

Was passiert heute mit den männlichen Küken?

Sie werden entweder schon im Ei erkannt und nicht ausgebrütet, oder sie schlüpfen und werden als Bruderhähne gemästet und geschlachtet. Ein Teil der männlichen Küken wird laut BZL zur Aufzucht ins Ausland gebracht, und ein Teil der Junghennen kommt aus Ländern, in denen das Töten von Küken erlaubt ist.

Wie viele Küken wurden vor dem Verbot getötet?

Etwa 40 bis 45 Millionen männliche Küken pro Jahr in Deutschland. Das Bundeslandwirtschaftsministerium nennt rund 40 Millionen, das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft etwa 45 Millionen.

Wie alt werden Legehennen?

Rund 16 Monate. Dann werden sie als Suppenhühner geschlachtet, 20.747.574 im Jahr 2025. Ein Huhn könnte im Schnitt drei bis fünf Jahre alt werden, manche werden sieben.