Zeitreise · Wie wir mit Tieren umgehen

Weltweit geschlachtete Landtiere im Jahr 1961: 8,36 Mrd.

Von 8,36 auf 87,90 Milliarden Tiere im Jahr.

So viele Landtiere wurden weltweit 1961 und 2024 geschlachtet, laut FAO. Scroll, und die Zahl läuft durch 63 Jahre.

Akt I · Die Anfänge

Lange vor der Fabrik.

Als Tiere noch auf Höfen lebten, gab es schon Menschen, die ohne sie aßen. Und ein erstes Gesetz.

1950 bis 1960

Zahl

Der Fleischhunger wächst

In Westdeutschland steigt der Verbrauch von Schweinefleisch in zehn Jahren von 19 auf fast 30 Kilogramm pro Kopf. Bei Geflügel verdreifacht er sich.

Verpacktes rohes Fleisch in der Kühltheke eines Supermarkts

Akt II · 1971 · Die Regierung schreibt es selbst

„DieEntwicklungzur MassentierhaltungistimletztenJahrzehntweltweiterfolgt;siemußalsökonomischgegebenangesehenwerden.“

Aus der Begründung des Regierungsentwurfs für das Tierschutzgesetz vom 7. September 1971. Dort ist auch von „Intensivtierhaltung mit tausenden von Nutztieren“ die Rede.

Die Antwort des Gesetzgebers

Hennen hinter dem Drahtgitter eines Käfigs

Akt III · 1987 · Der Käfig

450 cm².

So viel Platz erlaubte die Hennenhaltungsverordnung von 1987 einer Legehenne bis zwei Kilogramm im Käfig. Weniger als ein DIN-A4-Blatt. Das Bundesverfassungsgericht beschrieb später, was darin nicht geht: aufbaumen, sandbaden, scharren, ein Ei im Nest legen.

Vom Käfig vor Gericht

1999

Tierschutz

Die Käfig-Verordnung ist nichtig

Das Bundesverfassungsgericht kippt die Hennenhaltungsverordnung. Der Käfig verhindere „das Aufbaumen, das Sandbaden, das Scharren oder die Eiablage an geschützter Stelle in einem Nest“.

Ein Tiertransporter auf der Straße

Akt IV · 2005 · Unterwegs

0 Std.

So lange dürfen Schweine in zugelassenen Fahrzeugen am Stück transportiert werden, Rinder zweimal 14 Stunden mit einer Stunde Pause. So steht es in der EU-Transportverordnung von 2005, die seit 2007 gilt. Die Grundregel ohne solche Fahrzeuge: acht Stunden.

Das Auge eines Schweins hinter einem Gatter

Akt V · 2009 · Die EU entscheidet über die Betäubung

Die EFSA hatte empfohlen, die CO2-Betäubung von Schweinen schrittweise einzustellen. Die EU-Schlachtverordnung von 2009 antwortet:

„…dasssolcheineEmpfehlungderzeitinderEUauswirtschaftlicherSichtnichttragbarist.“

Die EFSA stuft hoch konzentriertes CO2 seit 2020 als stark belastend ein: Es verursacht Schmerzen, Angst und Atemnot. Geändert hat sich die Verordnung bis heute nicht.

Akt VI · Was sich verändert hat

2021

Erlaubt

Kastenstände noch bis 2036

Die Reform von 2021 begrenzt die Fixierung von Sauen. Alte Abferkelbuchten dürfen aber noch bis 2036 genutzt werden, in Härtefällen bis 2038.

2022 · Ein Lichtblick

Etwa 40 bis 45 Millionen männliche Küken wurden in Deutschland jedes Jahr direkt nach dem Schlupf getötet. Seit dem 1. Januar 2022 ist das verboten.

Deutschland heute

Lebende Rinder, exportiert in Länder außerhalb der EU

  1. 2017213.886
  2. 2018186.015
  3. 2019138.313
  4. 2020104.213
  5. 202194.017
  6. 202248.449
  7. 202338.051
  8. 202421.209
  9. 20256.613

2025 war ein Jahr mit Maul- und Klauenseuche in Deutschland.

2025

Tierschutz

Die Käfige laufen aus

Kleingruppenhaltung und ausgestaltete Käfige für Legehennen waren nur noch bis Ende 2025 erlaubt, in Härtefällen bis 2028.

Junge Schweine in einem Maststall

Akt VII · Heute, mitten in Deutschland

Ohne Betäubung erlaubt.

Das Tierschutzgesetz nimmt diese Eingriffe von der Betäubungspflicht aus, erlaubt sind sie nur unter den Bedingungen von § 5 und § 6. Das Kürzen der Schnabelspitzen bei Legehennenküken, die jünger als zehn Tage sind, dürfen Behörden zusätzlich erlauben.

Akt VIII · 1961 bis 2024 · Die Kurve

Und trotz allem: das 10,5-Fache.

Jedes Gesetz, jedes Verbot, jedes Urteil aus dieser Zeitreise. Und die Zahl der Landtiere, die weltweit in einem Jahr geschlachtet werden, steigt trotzdem weiter.

8,36 Mrd.geschlachtete Landtiere im Jahr 1961, weltweit
90 Mrd.19611970198019902000201020202024

FAO, eigene Summe aus 17 Arten in Milliarden: 1961 8,36 · 1970 13,31 · 1980 21,45 · 1990 31,29 · 2000 46,48 · 2010 64,06 · 2020 81,56 · 2024 87,90. Das 10,5-Fache in 63 Jahren.

Akt IX · Es geht

Jedes Verbot war einmal undenkbar.

Käfige, Kükentöten, Kastration ohne Betäubung: Was lange normal war, ist heute verboten. Die Zahlen zeigen, wo es schon besser wird.

Was besser wird

Lichtblicke

Zwei Hände halten ein gelbes Küken im Abendlicht

Die Kurve kann wieder fallen.

Gesetze ändern sich langsam. Was auf deinem Teller liegt, entscheidest du heute. Unter Dein Impact siehst du, was eine Woche, ein Monat oder ein Jahr ohne Tiere auf dem Teller ändert.

Mach den ersten Schritt

Kurz beantwortet

Seit wann gibt es Massentierhaltung in Deutschland?

Die Bundesregierung selbst schrieb 1971 in der Begründung zum Tierschutzgesetz, die Entwicklung zur Massentierhaltung sei „im letzten Jahrzehnt weltweit erfolgt“, also in den 1960er Jahren. In Westdeutschland stieg der Fleischverbrauch schon in den 1950er Jahren stark an.

Wie viele Tiere werden heute im Vergleich zu früher geschlachtet?

87,90 Milliarden Landtiere weltweit im Jahr 2024, laut FAO. 1961 waren es 8,36 Milliarden. Das ist das 10,5-Fache.

Seit wann ist Tierschutz im Grundgesetz?

Seit 2002. Der Bundestag stimmte am 17. Mai 2002 mit 543 Ja-Stimmen dafür, den Tierschutz in Artikel 20a aufzunehmen.

Was hat sich für Tiere zuletzt verbessert?

Seit 2021 dürfen Ferkel nur noch mit Betäubung kastriert werden, seit 2022 ist das Töten männlicher Küken verboten, Käfige für Legehennen laufen aus, und ab 2027 muss Schweinefleisch aus Deutschland die Haltungsform tragen. Die Exporte lebender Rinder in Länder außerhalb der EU sind von 2017 bis 2024 um 90 Prozent gesunken.