1867
AufbruchDer erste vegetarische Verein
In Nordhausen im Harz gründet sich die erste deutsche „Vegetarische Vereinigung“.

Zeitreise · Wie wir mit Tieren umgehen
Weltweit geschlachtete Landtiere im Jahr 1961: 8,36 Mrd.
So viele Landtiere wurden weltweit 1961 und 2024 geschlachtet, laut FAO. Scroll, und die Zahl läuft durch 63 Jahre.
„DieEntwicklungzur MassentierhaltungistimletztenJahrzehntweltweiterfolgt;siemußalsökonomischgegebenangesehenwerden.“
Aus der Begründung des Regierungsentwurfs für das Tierschutzgesetz vom 7. September 1971. Dort ist auch von „Intensivtierhaltung mit tausenden von Nutztieren“ die Rede.
1972
Das Tierschutzgesetz vom 24. Juli 1972, in Kraft seit dem 1. Oktober 1972. § 1: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“
Quellen:Tierschutzgesetz vom 24. Juli 1972, BGBl. I S. 1277, TierSchG § 1: Grundsatz
1974
Die Europäische Gemeinschaft schreibt vor, dass Rinder, Schafe, Schweine, Ziegen und Pferde vor dem Schlachten betäubt werden müssen.
Quelle:Richtlinie 74/577/EWG über die Betäubung von Tieren vor dem Schlachten
1980
So viele werden weltweit in einem Jahr geschlachtet. 1961 waren es 8,36 Milliarden.

450 cm².
So viel Platz erlaubte die Hennenhaltungsverordnung von 1987 einer Legehenne bis zwei Kilogramm im Käfig. Weniger als ein DIN-A4-Blatt. Das Bundesverfassungsgericht beschrieb später, was darin nicht geht: aufbaumen, sandbaden, scharren, ein Ei im Nest legen.
Quelle:Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 6. Juli 1999, 2 BvF 3/90
1999
Das Bundesverfassungsgericht kippt die Hennenhaltungsverordnung. Der Käfig verhindere „das Aufbaumen, das Sandbaden, das Scharren oder die Eiablage an geschützter Stelle in einem Nest“.
Quelle:Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 6. Juli 1999, 2 BvF 3/90
2002
Der Bundestag nimmt den Tierschutz mit 543 Ja-Stimmen in Artikel 20a auf. Der Staat schützt seitdem „die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere“.
Quellen:Grundgesetz Art. 20a, Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll 14/237 (17. Mai 2002)
2006
Eine Änderung der Verordnung führt die „Kleingruppenhaltung“ ein, einen ausgestalteten Käfig. Die alten Käfige dürfen länger bleiben als geplant.
Quelle:Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 12. Oktober 2010, 2 BvF 1/07
2007
Bremen führt ein Verbandsklagerecht für Tierschutzvereine ein.
Quelle:Gesetzblatt der Freien Hansestadt Bremen 2021 Nr. 103
2012
Seit dem 1. Januar 2012 sind konventionelle Käfige ohne Nest, Sitzstange und Einstreu in der ganzen EU verboten.
Quelle:Richtlinie 1999/74/EG: Mindestanforderungen zum Schutz von Legehennen

0 Std.
So lange dürfen Schweine in zugelassenen Fahrzeugen am Stück transportiert werden, Rinder zweimal 14 Stunden mit einer Stunde Pause. So steht es in der EU-Transportverordnung von 2005, die seit 2007 gilt. Die Grundregel ohne solche Fahrzeuge: acht Stunden.
Quelle:Verordnung (EG) Nr. 1/2005, Anhang I Kapitel V: Tiertransporte

Die EFSA hatte empfohlen, die CO2-Betäubung von Schweinen schrittweise einzustellen. Die EU-Schlachtverordnung von 2009 antwortet:
„…dasssolcheineEmpfehlungderzeitinderEUauswirtschaftlicherSichtnichttragbarist.“
Die EFSA stuft hoch konzentriertes CO2 seit 2020 als stark belastend ein: Es verursacht Schmerzen, Angst und Atemnot. Geändert hat sich die Verordnung bis heute nicht.
Quellen:Verordnung (EG) Nr. 1099/2009 über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Tötung, EFSA 2020: Welfare of pigs at slaughter, EFSA Journal 18(6):6148
2013
Tragende Sauen müssen EU-weit ab vier Wochen nach der Besamung in Gruppen gehalten werden.
Quelle:RL 2008/120/EG über Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinen
2016
Die Geflügelwirtschaft verpflichtet sich freiwillig: Ab August 2016 werden Legehennenküken die Schnäbel nicht mehr gekürzt. Erlaubt ist es bis heute, wenn eine Behörde zustimmt.
Quellen:Deutscher Bundestag, Drucksache 18/10105: Antwort der Bundesregierung zum Schnabelkürzen, TierSchG § 6: Verbot der Amputation
2016
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet: Jede Sau muss im Kastenstand in Seitenlage die Beine ausstrecken können.
Quelle:Bundesverwaltungsgericht, Beschluss vom 8. November 2016, 3 B 11.16
2016
Der Höchststand der Fleischproduktion in Deutschland. 2025 waren es 6,9 Millionen Tonnen, 17 Prozent weniger.
Quelle:Destatis, Pressemitteilung 049/26: Fleischproduktion 2025
2017
Säugetiere im letzten Drittel der Trächtigkeit dürfen nicht mehr zur Schlachtung abgegeben werden. Schafe und Ziegen sind ausgenommen.
Quelle:Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetz § 4: Trächtige Tiere
2019
Das Bundesverwaltungsgericht: Das wirtschaftliche Interesse an Legehennen ist für sich genommen kein vernünftiger Grund, männliche Küken zu töten.
Quelle:Bundesverwaltungsgericht, Pressemitteilung 47/2019 zu 3 C 28.16 und 3 C 29.16
2021
Seit dem 1. Januar 2021 dürfen Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Der Bundestag hatte die Frist 2018 noch einmal um zwei Jahre verlängert.
Quellen:TierSchG § 21: Übergangsregelungen, Bundesregierung: Wichtiger Schritt zu mehr Tierschutz, Deutscher Bundestag, Textarchiv 29. November 2018: Änderung des Tierschutzgesetzes
2021
Die EU-Kommission sagt zu, bis 2023 einen Vorschlag für ein Käfigverbot vorzulegen. Beschlossen ist bis heute nichts.
Quelle:Europäische Kommission, Pressemitteilung vom 30. Juni 2021 zur Bürgerinitiative „End the Cage Age“
2021
Die Reform von 2021 begrenzt die Fixierung von Sauen. Alte Abferkelbuchten dürfen aber noch bis 2036 genutzt werden, in Härtefällen bis 2038.
2022 · Ein Lichtblick
Etwa 40 bis 45 Millionen männliche Küken wurden in Deutschland jedes Jahr direkt nach dem Schlupf getötet. Seit dem 1. Januar 2022 ist das verboten.
Quellen:TierSchG § 4c: Verbot des Kükentötens, Bundesregierung: Kükentöten wird verboten, BZL, landwirtschaft.de: Was ist seit dem Verbot vom Kükentöten passiert?
Lebende Rinder, exportiert in Länder außerhalb der EU
2025 war ein Jahr mit Maul- und Klauenseuche in Deutschland.
2025
Kleingruppenhaltung und ausgestaltete Käfige für Legehennen waren nur noch bis Ende 2025 erlaubt, in Härtefällen bis 2028.
2026
Seit Juli 2026 liegt dem Bundestag ein Gesetzentwurf vor: Größere Schlachthöfe sollen Entladen, Betäuben und Töten auf Video aufzeichnen. Beschlossen ist er noch nicht.
2027
Ab dem 1. Januar 2027 muss frisches Schweinefleisch aus Deutschland zeigen, wie das Tier gehalten wurde: Stall, Stall+Platz, Frischluftstall, Auslauf/Weide oder Bio.
Quellen:Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, Deutscher Bundestag, Drucksache 21/3292: Änderung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes

Akt VII · Heute, mitten in Deutschland
Das Tierschutzgesetz nimmt diese Eingriffe von der Betäubungspflicht aus, erlaubt sind sie nur unter den Bedingungen von § 5 und § 6. Das Kürzen der Schnabelspitzen bei Legehennenküken, die jünger als zehn Tage sind, dürfen Behörden zusätzlich erlauben.
Quellen:TierSchG § 5: Eingriffe ohne Betäubung, TierSchG § 6: Verbot der Amputation
Und trotz allem: das 10,5-Fache.
Jedes Gesetz, jedes Verbot, jedes Urteil aus dieser Zeitreise. Und die Zahl der Landtiere, die weltweit in einem Jahr geschlachtet werden, steigt trotzdem weiter.
FAO, eigene Summe aus 17 Arten in Milliarden: 1961 8,36 · 1970 13,31 · 1980 21,45 · 1990 31,29 · 2000 46,48 · 2010 64,06 · 2020 81,56 · 2024 87,90. Das 10,5-Fache in 63 Jahren.
Akt IX · Es geht
Käfige, Kükentöten, Kastration ohne Betäubung: Was lange normal war, ist heute verboten. Die Zahlen zeigen, wo es schon besser wird.
Was besser wird

2011 lag der Fleischverzehr bei 63,8 Kilogramm pro Kopf, 2025 bei 54,9 Kilogramm, das sind 13,8 Prozent weniger.
Quelle:BLE Open Data: Versorgungsbilanz Fleisch 2010 bis 2025 (Datenlizenz Deutschland Zero 2.0)

2017: 213.886 lebende Rinder. 2024: 21.209, ein Rückgang um 90,1 Prozent. 2025, im Jahr der Maul- und Klauenseuche, waren es 6.613.

Im Mai 2010 standen 26.509.100 Schweine in deutschen Ställen, im Mai 2026 waren es 20.950.800.
Quelle:Destatis, GENESIS 41313-0001: Schweine nach Kategorien, Stichmonate Mai und November

2015 lebten 3.760.796 Legehennen in ökologischer Erzeugung, 2025 waren es 6.699.679.
Quelle:Destatis, GENESIS 41323-0001: Legehennen und erzeugte Eier nach Haltungsform

Seit dem 1. Januar 2022 dürfen in Deutschland keine Küken mehr getötet werden, nur weil sie männlich sind. Vorher waren es etwa 40 bis 45 Millionen im Jahr.
Quellen:TierSchG § 4c: Verbot des Kükentötens, Bundesregierung: Kükentöten wird verboten, BZL, landwirtschaft.de: Was ist seit dem Verbot vom Kükentöten passiert?

Seit dem 1. Januar 2021 ist die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung verboten.
Quellen:Bundesregierung: Wichtiger Schritt zu mehr Tierschutz, TierSchG § 21: Übergangsregelungen

Gesetze ändern sich langsam. Was auf deinem Teller liegt, entscheidest du heute. Unter Dein Impact siehst du, was eine Woche, ein Monat oder ein Jahr ohne Tiere auf dem Teller ändert.
Mach den ersten SchrittDie Bundesregierung selbst schrieb 1971 in der Begründung zum Tierschutzgesetz, die Entwicklung zur Massentierhaltung sei „im letzten Jahrzehnt weltweit erfolgt“, also in den 1960er Jahren. In Westdeutschland stieg der Fleischverbrauch schon in den 1950er Jahren stark an.
87,90 Milliarden Landtiere weltweit im Jahr 2024, laut FAO. 1961 waren es 8,36 Milliarden. Das ist das 10,5-Fache.
Seit 2002. Der Bundestag stimmte am 17. Mai 2002 mit 543 Ja-Stimmen dafür, den Tierschutz in Artikel 20a aufzunehmen.
Seit 2021 dürfen Ferkel nur noch mit Betäubung kastriert werden, seit 2022 ist das Töten männlicher Küken verboten, Käfige für Legehennen laufen aus, und ab 2027 muss Schweinefleisch aus Deutschland die Haltungsform tragen. Die Exporte lebender Rinder in Länder außerhalb der EU sind von 2017 bis 2024 um 90 Prozent gesunken.