Tierschutz im Vergleich · Gesetzestexte

Was Deutschland Tieren erlaubt, und was andere verbieten.

Wir haben die Gesetze von Deutschland mit denen der Schweiz, Österreichs, Schwedens, Norwegens, Dänemarks, Tschechiens, Frankreichs, Italiens, Englands, Spaniens und der Niederlande und mit dem EU-Recht verglichen. In 5 Punkten ist Deutschland weiter, in 9 Punkten andere Länder, in einem Punkt beides.

Hier ist Deutschland weiter

In diesen Punkten regelt Deutschland mehr als viele Nachbarn oder das EU-Recht.

Töten männlicher Küken

Deutschland verbietet das Töten männlicher Küken ohne Ausnahme für bestimmte Rassen. Frankreich lässt eine Ausnahme für einige Legelinien zu, Österreich und die Schweiz verbieten nur das Schreddern.

Deutschland
Seit 2022 verboten, für alle Rassen. Seit 2024 dürfen Embryonen nach einer Geschlechtsbestimmung im Ei ab dem 13. Bebrütungstag nicht mehr getötet werden.
Frankreich
Seit 2023 verboten. Ausnahme laut Regierung: Küken weißer und traditioneller Legelinien, rund 15 Prozent der Legehennen, dürfen vergast werden, wenn sie als Tierfutter dienen. Das Schreddern ist ausnahmslos verboten.
Österreich
Das Schreddern lebender Küken ist verboten. Getötet werden dürfen Küken aber weiterhin, wenn sie als Futter dienen.
Schweiz
Verboten ist nur das Schreddern. Andere Arten der Tötung sind erlaubt.
Italien
Ein Verbot ab 31. Dezember 2026 ist beschlossen, mit Ausnahmen für Fehler bei der Geschlechtsbestimmung.
Übrige EU
Kein Verbot gefunden.

Besatzdichte bei Masthühnern

Das EU-Recht erlaubt mit Ausnahmen bis zu 42 Kilogramm je Quadratmeter. Deutschland macht bei 39 Kilogramm Schluss und verlangt bei leichten Tieren im Durchschnitt 35.

Deutschland
Zu keinem Zeitpunkt mehr als 39 Kilogramm Lebendgewicht je Quadratmeter. Wiegen die Hühner im Durchschnitt weniger als 1,6 Kilogramm, dürfen es im Mittel dreier Mastdurchgänge höchstens 35 Kilogramm sein.
EU-Recht
Grundregel 33 Kilogramm je Quadratmeter. Mitgliedstaaten dürfen bis 39 Kilogramm zulassen, wenn der Stall zusätzliche Anforderungen erfüllt, und bis 42 Kilogramm, wenn der Betrieb zuletzt ohne Beanstandung blieb und die Sterblichkeit niedrig war.

Kastenstand im Deckzentrum

Das EU-Recht erlaubt den Kastenstand im Deckzentrum weiter. Deutschland steigt bis 2029 aus, in Härtefällen bis 2031. Die Schweiz, Schweden und Norwegen sind trotzdem weiter.

Deutschland
Ein Kastenstand ist ein enger Stand aus Metallstangen, in dem sich die Sau nicht umdrehen kann. Im Deckzentrum, dem Stallbereich für die Zeit vom Absetzen der Ferkel bis zur Besamung, ist er künftig nicht mehr erlaubt: Sauen müssen dort in der Gruppe stehen und mindestens fünf Quadratmeter je Tier haben. Alte Ställe dürfen noch bis 9. Februar 2029 weiterlaufen, in Härtefällen bis 2031.
EU-Recht
Gruppenhaltung ist nur für die Zeit von vier Wochen nach dem Decken bis eine Woche vor der Geburt vorgeschrieben. Davor dürfen Sauen einzeln gehalten werden, ohne Frist für einen Ausstieg.

Ausgestaltete Käfige für Legehennen

Das EU-Recht erlaubt ausgestaltete Käfige weiter. Deutschland hat sie bis Ende 2025 auslaufen lassen, Härtefälle bis Ende 2028.

Deutschland
Ställe für Legehennen müssen mindestens 2,5 Quadratmeter groß und zwei Meter hoch sein, mit Nest, Einstreu und Sitzstangen für alle Hennen. Die Kleingruppenhaltung, Käfige mit etwas mehr Platz, Nest, Einstreu und Sitzstangen, war nur noch bis Ende 2025 erlaubt, in Härtefällen bis Ende 2028.
EU-Recht
Ausgestaltete Käfige bleiben erlaubt: 750 Quadratzentimeter je Henne, ein Nest, Einstreu und 15 Zentimeter Sitzstange. Verboten sind seit 2012 nur die alten Käfige ohne diese Ausstattung.

Pflicht zur Haltungskennzeichnung

Deutschland führt eine Pflicht ein, vorerst nur für Schweinefleisch. Dänemark war früher dran, aber ohne Pflicht.

Deutschland
Ab 1. Januar 2027 muss frisches Schweinefleisch von in Deutschland gehaltenen und geschlachteten Tieren ein staatliches Label mit der Haltungsform tragen. Für Importware ist es freiwillig. Das Gesetz ist beschlossen, die Pflicht gilt aber noch nicht.
Dänemark
Ein staatliches Tierwohl-Label gibt es schon seit 2017, es ist aber freiwillig.

Hier liegt Deutschland in der Mitte

In diesen Punkten ist Deutschland strenger als einige der verglichenen Regeln und lockerer als andere.

Kastration von Ferkeln

Strenger als das EU-Recht und Österreich, lockerer als die Schweiz und Norwegen: Die Schweiz hat die Kastration ohne Betäubung elf Jahre früher verboten, in Norwegen darf nur der Tierarzt kastrieren.

Deutschland
Seit 1. Januar 2021 nur noch mit Betäubung. Bis dahin durften Ferkel unter acht Tagen ohne Betäubung kastriert werden.
Schweiz
Schmerzausschaltung ist Pflicht, das Verbot gilt seit 2010, elf Jahre vor Deutschland.
Norwegen
Kastrieren dürfen nur Tierärztinnen und Tierärzte, mit Betäubung und lang wirkender Schmerzbehandlung.
Österreich
Ferkel bis sieben Tage dürfen mit Schmerzbehandlung, aber ohne Betäubung kastriert werden.
EU-Recht
Bis zum siebten Lebenstag darf ohne Betäubung kastriert werden. Erst danach sind Tierarzt, Betäubung und Schmerzmittel Pflicht.

Hier sind andere Länder weiter

In diesen Punkten erlaubt Deutschland, was andere Länder schon verboten oder enger begrenzt haben.

Kastenstand für Sauen

In der Schweiz, Schweden und Norwegen bewegen sich Sauen heute schon weitgehend frei. Deutschland steigt erst bis 2029 und 2036 aus, in Härtefällen bis 2031 und 2038.

Deutschland
Erlaubt mit langen Übergangsfristen: im Deckzentrum bis 2029 (Härtefälle bis 2031), im Abferkelbereich, also dort, wo die Sau ihre Ferkel bekommt und säugt, bis 2036 (Härtefälle bis 2038). Danach höchstens fünf Tage rund um die Geburt.
Schweiz
Kastenstand höchstens zehn Tage in der Deckzeit. In der Abferkelbucht muss sich die Sau frei drehen können.
Schweden
Sauen dürfen nur in Ausnahmefällen fixiert werden, etwa bei aggressivem Verhalten in den ersten Tagen nach der Geburt.
Norwegen
Fixieren ist verboten, außer beim Füttern, bei Behandlung oder Besamung, bei besonders unruhigen Einzeltieren in der Brunst und bei unruhigen Sauen bis sieben Tage nach der Geburt.
Großbritannien
Kastenstände für trächtige Sauen sind seit 1999 verboten. Abferkelkäfige sind weiter erlaubt, England hat 2025 angekündigt, davon wegzukommen.

Schwänze kupieren

In der Schweiz ist das Kürzen der Ringelschwänze ganz verboten. In Deutschland ist es im Einzelfall weiter zulässig.

Deutschland
Im Einzelfall erlaubt, bei Ferkeln unter vier Tagen ohne Betäubung.
Schweiz
Ausnahmslos verboten.
Norwegen
Nur bei tierärztlicher Indikation, durch Tierärzte und mit Betäubung.
Schweden
Eingriffe nur aus tiermedizinischen Gründen.

Vollspaltenboden für Mastschweine

Österreich steigt aus dem einfachen Vollspaltenboden aus. Deutschland hat dafür keine Regel.

Deutschland
Kein Verbot. Ein Vollspaltenboden besteht in der ganzen Bucht aus Spalten, durch die Kot und Harn fallen, ohne geschlossene Liegefläche.
Österreich
Unstrukturierte Vollspaltenbuchten ohne Funktionsbereiche sind für Neu- und Umbauten seit 2023 verboten, für bestehende Ställe ab 1. Juni 2034. Wer in den 16 Jahren davor gebaut hat, bekommt 16 Jahre ab Fertigstellung.
Norwegen
Der Liegeplatz muss einen geschlossenen Boden oder Einstreu haben.
Schweiz
Ein zusammenhängender Liegebereich mit nur wenig Perforation ist Pflicht.

Schlachten ohne Betäubung

Mehrere Länder verlangen immer eine Betäubung. Der Europäische Gerichtshof hat 2020 bestätigt, dass Mitgliedstaaten das dürfen.

Deutschland
Mit behördlicher Ausnahmegenehmigung aus religiösen Gründen erlaubt.
Schweden, Norwegen, Dänemark
Eine Betäubung vor dem Schlachten ist immer Pflicht, auch bei religiöser Schlachtung.
Schweiz
Säugetiere dürfen nur mit Betäubung geschlachtet werden. Geflügel muss ebenfalls betäubt werden, außer bei ritueller Schlachtung.
Österreich
Die Tiere müssen mindestens direkt nach dem Schnitt betäubt werden.

Dauer von Tiertransporten

In der Schweiz sind Tiertransporte deutlich kürzer begrenzt als in Deutschland.

Deutschland
Innerhalb Deutschlands zum Schlachthof höchstens acht Stunden, bei über 30 Grad viereinhalb. Die Acht-Stunden-Grenze entfällt für Fahrzeuge und Transportunternehmen mit Zulassung für lange Beförderungen, die Hitzeregel nicht.
Schweiz
Höchstens sechs Stunden Fahrzeit und acht Stunden Transportdauer im Inland. Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine sowie Schlachtpferde und Schlachtgeflügel dürfen nur per Bahn oder Flugzeug durch die Schweiz reisen.

Weide und Anbindehaltung bei Rindern

Schweden schreibt Weidegang für Rinder in der Milchproduktion per Gesetz vor, Österreich verbietet dauernde Anbindung. Deutschland hat keine Bundesregel.

Deutschland
Keine bundesweite Regel. Einzelne Behörden handeln: Die Region Hannover verlangt seit Juli 2026, dass ganzjährige Anbindung innerhalb von 18 Monaten endet, kombinierte und saisonale Anbindung je nach Fall innerhalb von fünf bis sieben Jahren.
Schweden
Rinder in der Milchproduktion, die älter als sechs Monate sind, müssen im Sommer auf die Weide. Andere Rinder über sechs Monate, außer Bullen, müssen im Sommer auf die Weide oder ins Freie.
Österreich
Dauernde Anbindehaltung ist verboten. Rinder brauchen an mindestens 90 Tagen im Jahr Bewegung, Auslauf oder Weide, außer zwingende rechtliche oder technische Gründe stehen entgegen. Diese Ausnahme wird ab 2030 enger.
Schweiz
Angebundene Rinder brauchen an mindestens 60 Tagen im Sommer und 30 Tagen im Winter Auslauf.
Tschechien
Anbindehaltung von Nutztieren ist seit 2021 gesetzlich verboten.

Käfige für Legehennen

Deutschland hat Käfige weitgehend abgeschafft, Österreich war aber früher fertig, und Tschechien verbietet ab 2027 alle Käfige.

Deutschland
Konventionelle Käfige sind verboten. Die Kleingruppenhaltung war bis Ende 2025 erlaubt, in Härtefällen bis Ende 2028.
Österreich
Konventionelle Käfige nur bis Ende 2008, neue ausgestaltete Käfige durften ab 2005 nicht mehr gebaut werden.
Tschechien
Ab 1. Januar 2027 sind alle Käfige verboten, auch ausgestaltete.

Pelztierhaltung

Mehrere Länder verbieten Pelzfarmen ausdrücklich per Gesetz. Deutschland nicht.

Deutschland
Pelztierhaltung ist nicht ausdrücklich gesetzlich verboten.
Österreich
Verboten.
England und Wales
Verboten seit 2003.
Niederlande
Verboten seit 8. Januar 2021.
Tschechien
Zucht und Tötung von Tieren vor allem für Pelz verboten.

Videoüberwachung in Schlachthöfen

In England und Spanien sind Kameras im Schlachthof schon Pflicht. Deutschland berät noch.

Deutschland
Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vom 1. Juli 2026 sieht Kameras für größere Schlachthöfe vor. Beschlossen ist er noch nicht.
England
Pflicht seit 2018.
Spanien
Pflicht in allen Schlachthöfen, unabhängig von der Größe.

Hier ist niemand weiter

Manche Probleme hat bisher kein Land gelöst.

Betäubung von Schweinen mit CO2

Die EFSA nennt hoch konzentriertes CO2 stark belastend für Schweine. Kein Land hat die Methode bisher verboten. England hat im Dezember 2025 angekündigt, das Problem anzugehen.

Deutschland
Erlaubt und weit verbreitet.
England
Hat im Dezember 2025 angekündigt, die Betäubung von Schweinen mit CO2 anzugehen. Ein Verbot gibt es noch nicht.
Übrige untersuchte Länder
Kein Verbot und kein fester Ausstiegsplan gefunden.

So haben wir verglichen

  • Verglichen sind Gesetze und Verordnungen, nicht die Kontrolle in der Praxis. Ein strenges Gesetz sagt nichts darüber, wie gut es durchgesetzt wird.
  • Jede Regel ist mit dem Gesetzestext oder einer amtlichen Seite belegt, Stand Oktober 2026.
  • Was wir nicht sicher belegen konnten, steht hier nicht, zum Beispiel das Jahr des Schweizer Batteriekäfig-Verbots oder die Regeln in Luxemburg und Finnland.

Was besser wird

Lichtblicke

Kurz beantwortet

Hat Deutschland ein strenges Tierschutzgesetz?

In einigen Punkten ja: Das Töten männlicher Küken ist seit 2022 verboten, Ferkel dürfen seit 2021 nur mit Betäubung kastriert werden. In vielen anderen Punkten sind Länder wie die Schweiz, Schweden, Norwegen oder Österreich strenger, zum Beispiel beim Kastenstand für Sauen, beim Kürzen der Schwänze, beim Vollspaltenboden und beim Schlachten ohne Betäubung.

Welches Land hat den besten Tierschutz für Nutztiere?

Das lässt sich nicht an einem Land festmachen. In den hier verglichenen Gesetzen geht die Schweiz bei Kastenstand, Schwanzkupieren, Transportdauer und Betäubung beim Schlachten weiter als Deutschland. Schweden schreibt Weidegang für Rinder in der Milchproduktion gesetzlich vor.

Ist Schächten in Deutschland erlaubt?

Mit einer behördlichen Ausnahmegenehmigung aus religiösen Gründen ja. In Schweden, Norwegen und Dänemark ist eine Betäubung vor dem Schlachten immer Pflicht, in der Schweiz für Säugetiere.