Tiertransporte · EU-Recht und Bundestag

Bis zu 28 Stunden Fahrt.

So lange dürfen Rinder nach EU-Recht fahren, mit nur einer Stunde Pause nach 14 Stunden und 24 Stunden Ruhe danach; Schweine dürfen bis zu 24 Stunden am Stück unterwegs sein. Die gute Nachricht: Lebende Tiere in Länder außerhalb der EU, sogenannte Drittstaaten, exportiert Deutschland immer weniger.

Was erlaubt ist

Die Regeln stehen in der Verordnung (EG) Nr. 1/2005. Grundsätzlich dürfen Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde höchstens acht Stunden transportiert werden. Mit Fahrzeugen, die zusätzliche Anforderungen erfüllen, etwa an Tränken und Lüftung, sind deutlich längere Fahrten erlaubt:

Höchste Fahrzeiten nach EU-Recht
TiereFahrzeit
Grundregel für Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde8 Stunden
Kälber, Lämmer, Zicklein, Fohlen und Ferkel, die noch Milch bekommen9 Stunden, 1 Stunde Pause, weitere 9 Stunden
Schweine24 Stunden, mit ständigem Zugang zu Wasser
Pferde24 Stunden, alle 8 Stunden tränken
Rinder, Schafe und Ziegen14 Stunden, 1 Stunde Pause, weitere 14 Stunden
Verlängerungim Interesse der Tiere um 2 Stunden
Danachabladen, füttern, tränken und mindestens 24 Stunden Ruhe

Kälber, die jünger als zehn Tage sind, dürfen nach EU-Recht nur über Strecken unter 100 Kilometern transportiert werden. Deutschland ist strenger: Fahrten zum Schlachthof dürfen innerhalb Deutschlands grundsätzlich höchstens acht Stunden dauern, mit Ausnahmen für besonders zugelassene Fahrzeuge, und nur viereinhalb Stunden, wenn Temperaturen über 30 Grad nicht ausgeschlossen sind. Kälber unter 28 Tagen dürfen innerhalb Deutschlands seit 2023 grundsätzlich nicht transportiert werden. Ausgenommen sind Landwirtinnen und Landwirte, die eigene Tiere im eigenen Fahrzeug weniger als 50 Kilometer weit bringen.

Exporte in Länder außerhalb der EU

2017 wurden 213.886 lebende Rinder aus Deutschland in Länder außerhalb der EU exportiert, unter anderem in die Türkei, nach Russland, Usbekistan und Marokko. 2025 waren es noch 6.613. Gesicherte Erkenntnisse zum Rückgang hat die Bundesregierung nach eigener Aussage nicht. Sie verweist darauf, dass sie seit 2010 keine neuen Veterinärbescheinigungen für Mast- und Schlachttiere und seit 2023 keine für Zuchtwiederkäuer mehr aushandelt. Das könne den Rückgang erklären. 2025 kam der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche hinzu.

Lebende Rinder, exportiert in Länder außerhalb der EU
  1. 2017213.886
  2. 2018186.015
  3. 2019138.313
  4. 2020104.213
  5. 202194.017
  6. 202248.449
  7. 202338.051
  8. 202421.209
  9. 20256.613

Bei Schweinen schwanken die Zahlen stark. Den Höchstwert gab es 2019 mit 1,1 Mio. Tieren. Nach dem ersten Nachweis der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland im September 2020 brachen die Exporte ein. 2025 kamen außerdem 29.521.238 Stück Geflügel dazu. Welche Art von Geflügel das war, geht aus der Antwort der Bundesregierung nicht hervor.

Lebende Schweine, exportiert in Länder außerhalb der EU
  1. 2017140.626
  2. 2018349.752
  3. 20191.100.754
  4. 2020598.945
  5. 202151.027
  6. 202269.831
  7. 202356.158
  8. 202468.769
  9. 202524.075

Was die Bundesregierung nicht weiß

Wie viele Kälbertransporte kontrolliert werden, wie viele vor Fahrtantritt untersagt werden und wie viele Plätze es für die Kälbermast gibt, dazu liegen der Bundesregierung nach eigener Auskunft keine Daten vor.

Die geplante EU-Reform

Die EU-Kommission hat im Dezember 2023 neue Regeln vorgeschlagen: Fahrten zur Schlachtung höchstens neun Stunden, andere Fahrten höchstens 21 Stunden mit einer Pause nach zehn Stunden. Kälber sollen erst ab einem Alter von fünf Wochen transportiert werden dürfen, wie es die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit empfiehlt. Im September 2026 war der Vorschlag noch nicht beschlossen.

Was besser wird

Lichtblicke

Kurz beantwortet

Wie lange dürfen Tiere transportiert werden?

Nach EU-Recht grundsätzlich acht Stunden. Mit besonders ausgestatteten Fahrzeugen dürfen Schweine 24 Stunden transportiert werden, Rinder, Schafe und Ziegen zweimal 14 Stunden mit einer Stunde Pause dazwischen. Danach müssen die Tiere abgeladen werden und mindestens 24 Stunden ruhen. Fahrten zum Schlachthof dürfen innerhalb Deutschlands grundsätzlich höchstens acht Stunden dauern, mit Ausnahmen für besonders zugelassene Fahrzeuge, und nur viereinhalb Stunden, wenn Temperaturen über 30 Grad nicht ausgeschlossen sind.

Wie viele Tiere exportiert Deutschland in Länder außerhalb der EU?

2025 waren es 6.613 Rinder, 24.075 Schweine und 29.521.238 Stück Geflügel, laut Bundesregierung. 2017 waren es noch 213.886 Rinder.

Ab welchem Alter dürfen Kälber transportiert werden?

Nach EU-Recht dürfen Kälber, die jünger als zehn Tage sind, nur über Strecken unter 100 Kilometern transportiert werden. Kälber unter 28 Tagen dürfen innerhalb Deutschlands seit 2023 grundsätzlich nicht transportiert werden. Ausgenommen sind Landwirtinnen und Landwirte, die eigene Tiere im eigenen Fahrzeug weniger als 50 Kilometer weit bringen.